Vier Fragen an: Sabine & Patrick
Die Wahlperiode neigt sich dem Ende entgegen: Zeit, um Resümee zu ziehen. Wir haben mit unseren Fraktionsvorsitzenden Sabine von der Beck und Patrick Voss über die vergangenen fünf Jahre gesprochen. Im Interview blicken sie auf die größten Erfolge und Herausforderungen zurück und werfen einen Blick nach vorn: Welche Themen werden die Region künftig prägen – und was braucht es, damit das Ruhrparlament seine Rolle als starke Stimme für das Ruhrgebiet weiterentwickeln kann?
1. Was waren die größten Tops und Flops dieser Wahlperiode?
Sabine: Das wohl wichtigste Thema und der größte Erfolg war die Verabschiedung des Regionalplans Ruhr. Damit haben wir im Ruhrparlament einen Meilenstein für die räumliche Entwicklung der Region gelegt. Uns GRÜNEN lag dabei besonders der Schutz der Grünzüge am Herzen – aber auch die Ausweisung von Wirtschaftsflächen eröffnet neue Chancen für das Ruhrgebiet. Ein anderes zentrales Thema, das auch in dieser Wahlperiode engagiert und fraktionsübergreifend vorangebracht wurde, ist die IGA 2027. Die Planungen haben in den letzten fünf Jahren konkrete Formen angenommen und wir dürfen uns auf eine Großveranstaltung freuen, die das Potenzial hat, unsere Region nachhaltig positiv zu beeinflussen.
Patrick: Außerdem haben wir im Ruhrparlament eine Reihe von zukunftsweisenden Konzepten abgeschlossen, die das Ruhrgebiet voranbringen – dazu gehören auf jeden Fall die Charta Grüne Infrastruktur, das Haldenentwicklungskonzept, aber auch das Regionale Mobilitätskonzept, das gleich zu Beginn der Wahlperiode verabschiedet wurde.
Sabine: Stichwort Regionales Mobilitätskonzept – das führt mich zu den Flops der letzten fünf Jahre. Denn obwohl das Konzept inhaltlich stark ist und viele gute Ansätze enthält, um die Verkehrs- und Mobilitätsplanung im Ruhrgebiet nachhaltig zu verbessern, bleibt das leider alles nur schöne Theorie. Im Haushalt sind nämlich keine Mittel vorgesehen, um das Konzept umzusetzen und personell zu hinterlegen. Das ist ein echter Flop und war für uns auch ein Grund, den Haushalt abzulehnen.
Patrick: Für mich ist außerdem ein Flop, dass wir es als erstes direkt gewähltes Ruhrparlament nicht geschafft haben, der Öffentlichkeit klar zu vermitteln, was dieses Gremium eigentlich für eine bedeutsame Ebene ist – oder sein könnte. Hier sehe ich viel ungenutztes Potenzial.
2. Was waren die größten Erfolge unserer GRÜNEN Arbeit?
Patrick: Mit unserem Konzept der S‑Bahn 2.0 haben wir eine konkrete politische Vision für ein leistungsstarkes S‑Bahn-Angebot im Ruhrgebiet vorgelegt – und sind damit auf große Resonanz gestoßen. Sowohl in den Kommunen als auch auf Landes- und Bundesebene wurden unsere Ideen für den Ausbau des SPNV wahrgenommen. Bestärkt durch das positive Feedback haben wir kontinuierlich an dem Thema weitergearbeitet und im vergangenen Jahr sogar die erste Fortschreibung des Konzepts veröffentlicht. Für uns ist klar: Die Möglichkeiten sind da – es braucht nur den politischen Willen, sie zu ergreifen.
Sabine: Ich würde auch sagen, dass wir in dieser Wahlperiode vor allem mobilitätspolitisch gute Arbeit geleistet haben. Mit der S‑Bahn 2.0, unserem kürzlich vorgestellten Gutachten zur regionalen Nahverkehrsplanung und in diversen Kommunalforen haben wir immer wieder Impulse für einen besseren ÖPNV im Ruhrgebiet gesetzt.
Patrick: Erfolgreich waren wir auch mit unseren Veranstaltungen und Vernetzungsformaten. Besondere Highlights waren unsere zwei großen Transformationskonferenzen – die erste zum Thema sozial-ökonomische Transformation und die zweite mit dem Schwerpunkt demografischer Wandel. Hier ist es uns gelungen, verschiedenste Akteur*innen der Region zusammenzubringen und fachlich fundierte Diskussionen zu führen. Das Gleiche gilt für unsere über zehn verschiedenen Kommunalforen und Vernetzungstreffen, die wir in dieser Wahlperiode organisiert haben.
3. Was glaubt ihr, werden die wichtigsten Themen der nächsten Wahlperiode?
Patrick: Die Regionalplanung ist Kernkompetenz des RVR und bleibt deshalb auch für uns ein ganz wesentliches Thema. In der nächsten Wahlperiode wird uns insbesondere der Bereich Windenergie beschäftigen – und mit Sicherheit kommen noch weitere Änderungen auf uns zu. Darüber hinaus spielen für uns GRÜNE der Klima- und Umweltschutz weiterhin eine zentrale Rolle. Die frühe Hitze in diesem Jahr zeigt uns erneut, wie groß der Handlungsbedarf ist. Aus unserer Sicht braucht es dringend eine regionale Strategie zur Klimafolgenanpassung, die über die Charta Grüne Infrastruktur und den Regionalplan hinausgeht.
Sabine: Daneben wird uns der Bereich der vernetzten Mobilität weiter beschäftigen. Die Frage, wie wir es schaffen, einen städteübergreifenden und leistungsfähigen ÖPNV in unserer Region aufzubauen, ist ein Dauerthema – mit weitreichenden Auswirkungen! Denn damit steigern wir die Attraktivität unserer Region insgesamt – sowohl als Wirtschaftsstandort als auch als Wohnort für Pendler*innen. Und natürlich wird die IGA das große Event der nächsten Wahlperiode. Ich bin mir sicher, dass die Gartenausstellung viele positive Impulse für mehr Grün und eine höhere Lebensqualität in unseren Städten setzen wird. Unsere Aufgabe als Ruhrparlament wird es sein, sicherzustellen, dass diese nachhaltig in der Region verankert werden.
4. Was wünscht ihr euch für die Zukunft des Regionalverbandes und des Ruhrparlaments?
Sabine: Ich würde mir wünschen, dass der RVR seine Rolle als Dienstleister für die Kommunen noch stärker erkennt und wahrnimmt. Zum Beispiel indem der Verband Angebote schafft, um Verwaltungen digitaler, schlanker und effizienter zu organisieren. Gemeinsame regionale Standards, Software und Services können helfen, das ohnehin schon knappe Personal besser einzusetzen und mehr Qualität bei mindestens gleichbleibenden, wenn nicht sogar sinkenden Kosten zu erzielen.
Patrick: Ich wünsche mir für das Ruhrparlament vor allem mehr Mut. Wir sind ein Regionalparlament – deshalb sollten wir Entscheidungen treffen, die die Region als Ganzes voranbringen. Auch wenn das bedeutet, unbequeme Diskussionen in den Kommunen zu führen. In den letzten fünf Jahren haben wir leider zu oft erlebt, dass im Zweifel keine Entscheidung getroffen wurde – und das waren verpasste Chancen für die Region. Mehr Mut und ein stärkeres Selbstverständnis als Gremium für die Region würden dem Parlament sehr gut tun!
Vielen Dank, ihr beiden, für eure Antworten.