Vernetzt in Europa – Drei Fragen an Oliver Linsel

By 10. April 2026Allgemein

Was hat die EU-Kohä­si­ons­po­litik mit dem Ruhr­ge­biet zu tun und was ist das überhaupt?

Oliver Linsel:

Die EU-Kohä­si­ons­po­litik und ihre Ausge­stal­tung befassen sich mit damit wie der Zusam­men­halt und das Zusam­men­wachsen der verschie­denen euro­päi­schen Regionen gestaltet werden. Die Grund­idee ist es, dass bislang noch nicht so entwi­ckelte Regionen oder Regionen mit struk­tu­rellen Schwie­rig­keiten besseren Zugang zu bspw. Infra­struk­tur­för­der­mit­teln über den euro­päi­schen Fonds zur Regio­nal­ent­wick­lung (EFRE) bekommen, sodass diese im gesamten euro­päi­schen Verbund aufschließen können und damit der EU im Ganzen geholfen wird.

Gerade die Städte des Ruhr­ge­biets leiden seit Jahren unter struk­tu­reller Unter­fi­nan­zie­rung und sind auch auf diese Mittel ange­wiesen, um die Entwick­lung der Städte voran­zu­bringen. In der aktu­ellen Diskus­sion ist diese Teil­habe jedoch gefährdet, da die EU-Kommis­sion über­legt Teile dieser Infra­struk­tur­mittel in Krisen­in­stru­mente und Vertei­di­gungs­bud­gets zu über­führen. Dadurch wird der Kuchen kleiner und die Teil­ha­be­mög­lich­keiten des Ruhr­ge­biets sind gefährdet.

Wir dürfen zur Extra-Schicht eine Dele­ga­tion aus Katowice empfangen. Wie kommt es dazu?

Oliver Linsel:

Gerade mit Blick auf den Struk­tur­wandel ist das Ruhr­ge­biet anderen Regionen in Europa wie bspw. die GZM (Metro­pole Ober­schle­sien-Kohlen­be­cken) struk­tu­rell näher, als beispiels­weise den länd­li­cheren Räumen in NRW. In den letzten Jahren haben wir immer wieder gemein­same Stel­lung­nahmen zu Vorhaben der EU ausge­ar­beitet und gemein­same Veran­stal­tungen orga­ni­siert. Daraus hat sich eine engere Zusam­men­ar­beit zwischen diesen Regionen ergeben.

Im Rahmen dieser Zusam­men­ar­beit waren wir bereits letztes Jahr zu Gast in Katowice bzw. in der Metro­pole Ober­schliesen-Kohlen­be­cken – kurz GZM (Górnośląsko-Zagłę­biowska Metro­polia). Dort habe wir die Repräsentant*innen von dort dann entspre­chend einge­laden zum Rück­be­such – und wann bietet sich der besser an, als zur Extraschicht?

Was können wir von der Region GZM lernen?

Oliver Linsel:

Sehr viel, die Region Ober­schle­sien ist geschicht­lich sehr eng verwandt mit unserem Ruhr­ge­biet. Hier wie dort wurde unter preu­ßi­scher Verwal­tung der Kohlen­bergbau entwi­ckelt und dadurch die Region indus­tria­li­siert. Über die Zeit sind viele polni­sche Indus­trie­ar­beiter mit ihren Fami­lien ins Ruhr­ge­biet gezogen, weshalb es bis heute auch viele fami­liäre Bezie­hungen zwischen Ober­schle­sien und unserem Ruhr­ge­biet gibt.

Aus diesen geschicht­li­chen Paral­lelen ergeben sich dementspre­chend auch viele Paral­lelen in der heutigen Zeit, wir stehen vor ähnli­chen Heraus­for­de­rungen mit Blick auf den Struk­tur­wandel und den Heraus­for­de­rungen neue, inno­va­tive und nach­hal­tige Wirt­schafts­zweige in der Region anzu­sie­deln und indus­tri­elle Brach­flä­chen aufzu­be­reiten und zu nutzen. Dies hat die GZM beispiels­weise durch die Entwick­lung eines Grün­dungs­zen­trums (Katowice gaming and tech­no­logy HUB), sowie durch Kultur- und Bildungs­an­ge­bote (Schle­si­sches Museum) gemacht. Dazu kommt, dass die GZM in den letzten Jahren sehr viel Infra­struktur neu gebaut oder moder­ni­siert hat. Die Stra­ßen­bahn wird in den dortigen Städten gebün­delt durch ein gemein­sames regio­nales Verkehrs­un­ter­nehmen orga­ni­siert – etwas das auch hier seit Jahren disku­tiert wird.

Gemeinsam wollen unsere Regionen auch in der Zukunft einen engen Austausch zu den Themen Flächen­ent­wick­lung und ‑recy­cling, grün-blaue Infra­struktur und die Schaf­fung leben­diger dritter Orte, nach­hal­tige Mobi­lität von ÖPNV-Planung bis Radwe­ge­netz und nicht zuletzt Jugend­be­tei­li­gung und Reprä­sen­ta­tion pflegen.

Danke Oliver!