Bewer­bung als Welt­kul­tur­erbe: „Landes­ent­schei­dung blockiert ein Projekt mit Pionier-Potenzial“ 

By 2. Oktober 2021Kultur & Sport

Von der nord­rhein-west­fä­li­schen Landes­re­gie­rung erhält die Bewer­bung des Ruhr­ge­biets um den Status als UNESCO-Welt­kul­tur­erbe keine Unter­stüt­zung. Die Grünen im Ruhr­par­la­ment kriti­sieren die Entschei­dung des Landes, die Bewer­bung nicht an die Kultus­mi­nis­ter­kon­fe­renz weiter­zu­leiten, scharf. 

Die Regie­rung sollte im Inter­esse des Landes Projekte mit Strahl­kraft für eine ganze Region und somit auch für Nord­rhein-West­falen unter­stützen. Nach dem gest­rigen Bericht der Landes­re­gie­rung im Euro­pa­aus­schuss des Land­tags und den Nach­fragen des euro­pa­po­li­ti­schen Spre­chers der Grünen Land­tags­frak­tion, Johannes Remmel, bleibt jedoch ein Bild von miss­ver­ständ­li­cher Kommu­ni­ka­tion. 

„Es scheint, als versuche das Land mit allen Mitteln, den progres­siven Ansatz mit Pionier-Poten­zial des Ruhr­ge­biets für ein UNESCO-Welt­erbe zu verhin­dern”, sagt Kultur­aus­schuss­vor­sit­zender Jörg Ober­einer. 

„Das Vorgehen der Landes­re­gie­rung ist ein typi­sches Beispiel dafür, wie über regio­nale Mehr­heiten hinweg entschieden wird. Das Signal der direkt gewählten Vertreter*innen aus dem Ruhr­par­la­ment war eindeutig: Wir wollen als Welt­kul­tur­erbe zeigen, dass dem Ruhr­ge­biet ein beein­dru­ckender Trans­for­ma­ti­ons­pro­zess gelungen ist. Deshalb haben wir gemeinsam mit der SPD, FDP und den Linken für die Bewer­bung gestimmt. Somit ist die Argu­men­ta­tion des Landes hinfällig.“

Die Landes­re­gie­rung begründet ihre Entschei­dung damit, dass es ledig­lich „frag­men­ta­ri­sche poli­ti­sche Unter­stüt­zung“ gäbe. Tatsäch­lich hat sich das Ruhr­par­la­ment am 25. Juni mit großer Mehr­heit für die Bewer­bung ausgesprochen.

„Die poli­ti­sche Entschei­dung der Kommunen wurde natür­lich berück­sich­tigt. Aber das Bekenntnis des RVR als Parla­ment einer ganzen Region war deut­lich“, sagt Anna di Bari, kultur­po­li­ti­sche Spre­cherin der Grünen im Ruhr­par­la­ment. „Deshalb hat der RVR der verant­wort­li­chen Stif­tung den Auftrag gegeben, die inhalt­li­chen Mängel der Bewer­bung nach­zu­bes­sern. Diese hat sich der Aufgabe ange­nommen und das Vorhaben im zeit­li­chen Rahmen für machbar erklärt.“ 

Unklar bleibt, wieso Minis­terin Schar­ren­bach zu einer anderen Einschät­zung kommt. „Die Minis­terin greift ohne Not der Arbeit der Stif­tung vor. Wir erwarten von einer Landes­re­gie­rung Unter­stüt­zung statt Bevor­mun­dung”, resü­miert Jörg Ober­einer.