Bericht aus dem Ruhr­par­la­ment vom 09. Oktober 2026

Am 9. Oktober 2026 tagte das Ruhr­par­la­ment das letzte Mal vor den Herbst­fe­rien. Die Sitzung stand unter dem Vorzei­chen der schwie­rigen Haus­halts­si­tua­tion im RVR und im ganzen Ruhrgebiet.

Die Haus­halts­krise spitzt sich im Ruhr­ge­biet zu

Immer wieder erin­nern die Kommunen im Ruhr­ge­biet an ihre schwie­rigen Haus­halts­lagen. Brand­briefe über Brand­briefe werden gen Berlin und Düssel­dorf geschickt. In NRW befindet sich bereits jede 8. Kommune in der Haus­halts­si­che­rung. Die Landes­re­gie­rung hat auch einen Teil der Altschulden über­nommen, doch die Wirt­schafts­lage hat diesen Kraftakt schon wieder Zunichte gemacht. Im Regio­nal­ver­band Ruhr hatten wir bisher noch keine so kriti­sche Lage, nun erreicht sie auch uns. Der RVR-Haus­halt 2027 plant mit einem Minus von 4,8 Mio. Euro, die aus der Ausgleich­rück­lage entnommen werden.

Wir befürchten nun, dass die Wünsche größer werden, bei den Leis­tungen und Aufgaben des RVR zu strei­chen. Dies wäre jedoch der falsche Weg, denn so müssten die Kommunen einige Aufgaben wieder selbst über­nehmen und die Städte und Kreise im Ruhr­ge­biet leiden noch stärker als der RVR. Der kurz­fris­tige Effekt eines ggf. etwas gerin­geren Hebe­satzes würde an anderer Stelle die Kommunen deut­lich mehr belasten.

Als Grüne Frak­tion beraten wir nun den Haus­halts­ent­wurf, um Ände­rungs­an­träge für die Beschluss­fas­sung des Haus­haltes im Dezember zu erstellen.

Regio­nale Grün­züge schützen

Die Stadt Dort­mund möchte eine neue Gesamt­schule im Stadt­teil Eving bauen. Dort­mund benö­tigt weitere Gesamt­schul­plätze und längeres gemein­sames Lernen ist eine sehr sinn­volle Sache. Leider soll die Schule aller­dings in einem regio­nalen Grünzug entstehen. Wir sind der Meinung, dass es andere Wege geben muss, die zusätz­li­chen Gesamt­schul­plätze im Dort­munder Norden zu schaffen und haben deswegen die Regio­nal­plan­än­de­rung abge­lehnt. Für uns ist und bleibt der Regio­nal­plan Ruhr ein wich­tiges Instru­ment, um die wich­tigen Grün­züge zu schützen. Unser Frak­ti­ons­vor­sit­zender Patrick Voss betont die Wich­tig­keit des Regio­nal­plans: „Es darf in der Region nicht der Eindruck entstehen, dass der Regio­nal­plan Ruhr ein Plan ist, der – wann immer eine Stadt das will – so geän­dert wird, wie sie es gerne hätte. Dann wird der Regio­nal­plan nämlich bedeu­tungslos und verliert seine Steue­rungs­wir­kung, die für ein zukunfts­fä­higes Ruhr­ge­biet wichtig ist.“

Mehr Betei­li­gung junger Menschen

Das Ruhr­par­la­ment hat sich in den vergan­genen Wochen und Monaten dafür einge­setzt, dass das Ruhr­ge­biet sich zur Euro­päi­schen Jugend­haupt­stadt bewirbt. Die Bewer­bung bietet Poten­zial als Platt­form für junge Menschen, die Demo­kratie, Verant­wor­tungs­über­nahme und Selbst­wirk­sam­keit im euro­päi­schen Verbund erleben können. Oliver Linsel, Mitglied im Ausschuss Europa, Wirt­schaft und Soziales, betont: „Damit die Bewer­bung aber erfolg­reich sein kann, gibt es zwei notwen­dige Bedin­gungen zu erfüllen: Erstens eine gute Vorbe­rei­tung, denn es gilt: lieber eine gute als eine schnelle Bewer­bung. Zwei­tens ist eine echte und durch­gän­gige Einbin­dung junger Menschen notwendig, damit diese echte Teil­habe, Demo­kratie und Selbst­wirk­sam­keit erfahren.“

Emscher Land­schafts­park und Route der Indus­trie­kultur gesichert

Der Vertrag des Regio­nal­ver­bandes Ruhr mit dem Land NRW zum ELP und zur RIK läuft dieses Jahr aus, deswegen wurde ein neuer Vertrag für die Jahre 2027–2036 verhan­delt, der die 15 Stand­orte des Land­schafts­parks und die 5 Stand­orte der Route der Indus­trie­kultur sichert. Das Land schießt beim ELP 2,5 Mio. Euro und beim RIK 9,5 Mio. Euro dazu. Wir freuen uns sehr, dass damit die nächsten 10 Jahre gesi­chert werden konnten.

Neues Besu­cher­zen­trum an der Halde Hoheward

An der Halde Hohe­ward in Herten soll ein neues Besu­cher­zen­trum entstehen, dazu stellt der RVR einen Förder­an­trag. Außerdem wurde der Vertrag zwischen dem Kreis Reck­ling­hausen, der Stadt Herten und dem Regio­nal­ver­band Ruhr bis 2029 verlängert.

Kimafit Ruhr wird fortgeführt

Das Umset­zungs­pro­jekt Klimafit Ruhr ist Teil des Master­plans Hand­werk. Der RVR hat gemeinsam mit dem Hand­werk im Ruhr­ge­biet den Master­plan erar­beitet. Klimafit Ruhr verbindet die Klima­wende mit der konkreten Umset­zung durch das Hand­werk. Ziel ist es, die Kommunen darin zu unter­stützen, die Klima­neu­tra­lität bis 2045 zu errei­chen. Dieses Projekt ist sehr erfolg­reich und wird zunächst bis 2030 verlängert.

GRW-Förde­rung verbessern

Der Bund bietet das Förder­pro­gramm „Gemein­schafts­auf­gabe zur Verbes­se­rung der regio­nalen Wirt­schafts­struktur“ an. Hier ist geplant die Krite­rien zur Förde­rung radikal zu ändern. Weg von Kenn­zahlen wie der Arbeits­lo­sig­keit oder hohen Sozi­al­aus­gaben in den Kommunen und hin zu Infra­struk­tur­daten wie der der Erreich­bar­keit von Ärzt*innen oder Geschäften. Das stark verdich­tete Ruhr­ge­biet würde darunter natür­lich leiden. Hier ist zwar vieles gut und schnell erreichbar, aber die Armut ist sehr hoch. Deswegen haben wir gemeinsam mit SPD und CDU eine Reso­lu­tion verfasst, die Bund und Land dazu aufruft, die Krite­rien stärker an Sozi­al­daten wie der der Kinder­armut zu orientieren.

Mani­festa: Ein voller Erfolg

Die Mani­festa 16 Ruhr ist nun vorbei. Unter dem Titel „This is not a church“ wurden samt Neben­pro­gramm 200.000 Besuche erreicht, deut­lich mehr als erwartet. Es soll nun eine Stelle im Büro des Regio­nal­di­rek­tors geschaffen werden, die die Idee der Mani­festa fort­führt: Kirchen­ge­bäude sollen wieder als Zentrum des gesell­schaft­li­chen Mitein­an­ders dienen – nicht reli­giös, aber gemeinschaftlich.